Visionäre Bahnprojekte: Die Schweiz im Aufbruch (Heinz Schild)

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Kategorie: Bücher
Veröffentlicht am Montag, 04. November 2013 Geschrieben von Oliver Schäfer

Visionäre BahnprojekteBücher und Bildbände über die vielseitige und umfangreiche Welt der Schweizer Bergbahnen gibt es mittlerweile in einem solchen Ausmaß, dass man damit ganze Bücherregale füllen könnte. Wozu also ein weiteres Buch zu diesem Thema, wo doch schon alles geschrieben zu sein scheint? Der AS Verlag schickt ein neues Buch ins Rennen, das nicht nur durch seinen stolzen Preis von 78,50 Euro andere Wege einsticht als bisherige Bücher.

Der Schweizreisende hat in den Alpen die Qual der Wahl. Fast jeder Berg scheint mit einer eigenen Bergbahn - manchmal sogar mehr als einer - mühelos ohne Kraftaufwand und Ausrüstung zu Erklimmen sein. Für uns ist das in der heutigen Zeit selbstverständlich und gehört zur Schweiz wie die Löcher in den Käse und diese Entwicklung hat die Eidgenossenschaft ohne Zweifel sehr geprägt und zu dem gemacht, was sie heute ist: ein herrliches Urlaubsland für Touristen aus aller Welt. Ein nicht unerheblicher Teil der Schweizer Bevölkerung lebt mittel- oder unmittelbar vom Tourismusgewerbe. Doch es hätte auch durchaus anders kommen können, wie Autor Heinz Schild mit seinem erfrischend anderem Bergbahnenbuch vor Augen führt. Hochglanzfotos im Reisekatalogstil sucht man in diesem Buch, das man schon auch als Brocken bezeichnen darf, vergeblich. Der Untertitel verrät bereits, dass das ganze Augenmerk auf die Zeitspanne zwischen 1870 und 1939 gelegt ist - jener Zeit in denen das Gros der Bergbahnen geplant und (nur teilweise) umgesetzt wurde. Das alles kommt in den Bildbänden anderer Verlage und Autoren durchaus auch am Rande zur Sprache, aber eben nur sehr komprimiert und oberflächlich.

Es ist sehr spannend zu lesen, wie die Schweiz in der damaligen Zeit ein wahrer Bauboom gepackt hat und sich Industrielle mit immer waghalsigeren Vorhaben gegenseitig überboten. Der Autor gibt ausführliche Einblicke in das Stimmungsbild der damaligen Zeit, wie die Medien und die Bergbevölkerung auf die Pläne meist ablehnend reagierte. Die schlimmen Arbeitsbedingungen der meist italienischen Arbeiter werden ungeschönt beschrieben, ebenso wie die reißerische unsachliche Berichterstattung der lokalen Zeitungen in der damaligen Zeit. Mit der Eisenbahnromantik, die man bspw. aus der gleichnamigen Fernsehserie oder entsprechenden Büchern kennt, hat das Buch also wenig gemein. Vielmehr ist es eine authentische Reise in die Vergangenheit, die auch Eisenbahnenthusiasten eine bislang eher unbekannte Bergbahnwelt aufzeigt.

Zwei Dinge werden beim Lesen besonders deutlich:
1. Hätten die Skeptiker und Kritiker der damaligen Zeit sich durchgesetzt, wäre die Schweiz heute eine andere Schweiz, als sie ist.
2. Großprojekte wie z.B. die Jungfraubahnen waren auch damals schon teurer und langsamer im Bau, als geplant - heute erleben wir das noch immer bei Bahnprojekten wie Stuttgart 21.

Die Informationen und Fakten wurden hervorragend recherchiert und sind alles andere als langatmig und trocken. Nicht nur Eisenbahnfans werden mit Visionäre Bahnprojekte ihre Freude haben. Einziger Wehrmutstropfen ist der happige Preis von 78,50 Euro, der hoffentlich nicht zu viele Interessierte vom Kauf abhält.

Titel: Visionäre Bahnprojekte: Die Schweiz im Aufbruch: Die Schweiz im Aufbruch. 1870-1939Ausgezeichnet mit dem Güstesiegel von Schweizwochen.de
Autor: Heinz Schild
Verlag: As Verlag (Link)
Seitenzahl: 240
Größe: 30,6 x 24,8 x 2,6 cm
Preis (D): 78,50 Euro (gebunden)
ISBN-10: 3906055132
ISBN-13: 978-3906055138
Erschienen: 22. Oktober 2013

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