Rheinfall bei Schaffhausen

Drucken

Kategorie: Tourismus
Veröffentlicht am Dienstag, 01. Februar 2011 Geschrieben von Sylvia Wagner

Rheinfall bei SchaffhausenImposant thront bei Schaffhausen der Rheinfall, der größte Wasserfall in Kontinentaleuropa.

Als Kind war ich aber fest davon überzeugt, dass der Rheinfall zu Baden-Württemberg gehört und nicht zur Schweiz. Es hätte doch sein können, dass der Rheinfall in Deutschland ist. Bloß hat das den Schweizern noch niemand gesagt?! Und da sie das nicht wissen.... Aber so weit daneben ist das gar nicht. Hätten im Zweiten Weltkrieg, 1944, sonst die US Bomber Schaffhausen mit Deutschland verwechselt? Die sind einfach in die neutrale Schweiz geflogen und haben Schaffhausen angegriffen. Schließlich ist Schaffhausen die nördlichste Stadt der Schweiz. Aber eigentlich liegt der Rheinfall in Neuhausen am Rhein, wenige Autominuten von Schaffhausen entfernt.

So, das war nun eine kurze Standortbestimmung des Rheinfalls. Ich bin mit dem Auto gekommen, ohne dass ich eine Vignette für die Schweizer Autobahn brauchte. Man muss sich nur an die blaumarkierten Autorouten halten. Ist ganz einfach, ich habe den Rheinfall auch gefunden. Wenn man mit dem Zug anreist, kann man ab Schaffhausen mit dem Bus zum Rheinfall gelangen. Wenn ich mich recht erinnere, waren die Parkplätze gratis. Zumindest hatte es an diesem Tag genügend und es waren nicht so viele andere Menschen dort, was ich sehr mag.

Ich war im Frühherbst dort. Zu diesem Zeitpunkt donnern 287 Kubikmeter Wasser pro Sekunde über die Felsen. Es können aber auch mal 1.250 Kubikmeter sein (1965) oder nur 95 Kubikmeter (1921). Normalerweise sind es aber im Sommer um die 600 m³ und im Winter durchschnittlich 250 m³. So gesehen, war das ziemlich wenig, aber man stelle sich mal 1,5 Millionen gefüllte Kaffeebecher vor, dann ist das gar nicht mehr so wenig. Wenn man aber wie ich einen Heidenrespekt vor diesem atemberaubenden Wasserfall hat und einem ein bisschen unheimlich ist, dann reicht dies voll und ganz. Als ich vom Rheinfallbecken die ganze Wucht der tosenden Wassermassen auf mich wirken ließ, stieg mein Respekt noch mehr. Es war ein gewaltiges und faszinierendes Naturschauspiel.

Aber ich bin nicht die einzige, die tief beeindruckt war, schon Eduard Mörike schrieb: „Halte dein Herz, o Wanderer, fest in gewaltigen Händen! Mir entstürtzte vor Lust zitternd das meinige fast. Rastlos donnernde Massen auf donnernde Massen geworfen, Ohr und Auge, wohin retten sie sich im Tumult?“ Johann Wolfgang von Goethe und Zar Alexander I von Russland haben die brodelnden Wasserfälle auch bewundert.

Es gibt 3 schöne Rundwanderwege in dieser Gegend, wenn ich mehr Zeit gehabt hätte, wäre die Auswahl noch größer gewesen und ich hätte noch 3 mehr gehabt. Vom Rheinfall selbst nach Schaffhausen gibt es einen dreiviertelstündigen Wanderweg.

Man kann auch mit dem Ausflugsboot zum mittleren Rheinfallfelsen fahren und diesen besteigen, oder wenn man will auf die andere Seite (Zürcher Seite) weiter rheinab. Als ich von unten zugesehen habe, erstens war es Frühherbst und leicht kühl und man wäre ziemlich nass geworden. Die hatten alle gelbe Jacken an, vielleicht gibt’s die ja dazu? Aber mir war schon vom zusehen mulmig. Da habe ich dann doch lieber darauf verzichtet. Ein Boot und ich? Ja, wenn das jetzt die tosende Ostsee gewesen wäre und dort aufs Schiff, da hätte ich nicht nein gesagt. Aber dort gibt es ja auch keine Felsen. Zumindest nicht bei der Insel Fehmarn Richtung Rödby.

Rheinfall bei SchaffhausenRhein Travel bietet sogar eine Schlauchbootsfahrt für Familien und Gruppen. Es geht vom Rheinfall bis fast nach Rüdlingen, man kann sogar ein Picknick- oder Badeaufenthalt einlegen. Das kostet für Kinder von 7 bis 12 Jahren ca. 20 Euro und für Erwachsene ca. 33 Euro.

Übrigens ein Highlight ist der Nationalfeiertag. In der Nacht zum 1. August gibt es dort ein Riesenfeuerwerk. Der Beginn ist 21.45 Uhr, Eintritt beträgt 12 Franken = 8 Euro (Kinder!! bis 16 Jahre gratis). Das Parken ist auch umsonst. Ich dachte schon immer, am Bodensee wäre das Feuerwerk schön, aber hier muss es noch schöner sein. Ich habe Bilder dazu gesehen. Traumhaft.

Beim Hochlaufen blieb ich immer wieder am Rand stehen und genoss den Ausblick auf den Rheinfall. Überall hat es Wasserstaubschleier, die im Sommer bestimmt sehr angenehm sind und kühlen. Sie flattern auf und verwehen, kaum dass man sie gesehen hat.

Am Rheinfall gibt es 2 Schlösschen, Woerth und Laufen, das lustige ist, das jedes in einem anderen Kanton liegt. Das Schloss Laufen ist auf der Zürcher Seite, es thront hoch über dem Rheinfall und ist bequem zu erreichen. Bei beiden Schlössern gibt es ein Restaurant und einen Kiosk. In der Nähe, des Schlösschens Wörth gibt es einen Tourismus-Infopavillion. Und im Restaurant Park, das liegt direkt am Rheinfallbecken, gibt’s auch einen Kiosk mit Kartenmaterial und vielem anderem. Empfohlen werden die leckeren Fischgerichte. Ich habe natürlich auch ein Fischgericht gegessen und es hat mir sehr gut geschmeckt. Nach dem Hochwandern zum Schloss Laufen war das Essen besonders lecker.

Danach habe ich noch die Aussichtsplattform Känzeli besucht und konnte nicht genug bekommen. Na ja, ein bisschen unheimlich ist es schon, wenn der Rheinfall so nahe ist und man aufpassen muss, dass man nicht total nass wird. Die Gischt spritzt da unheimlich und das Tosen ist sooo laut, dass man sein eigenes Wort nicht mehr versteht. Aber ein herrliches Erlebnis, man genießt es und schweigt sowieso. Was soll man auch gegen solche tobenden, ungebändigten Wassermassen anschreien? Die ungebändigte Naturgewalt kommt so schnell heruntergeschossen, dass einem Angst und Bange werden könnte. Viele Plattformen haben Holzgeländer und Holzplanken. Irgendwie zittere ich immer ein wenig vor Angst, alles könnte weggeschwemmt werden, aber es ist ein cooles Gefühl, dazustehen und der Natur ihren Lauf – in diesem Fall der Rheinfall – zu lassen. Und nur dazustehen und dem Wasser zuzuhören, was es einem erzählt. Ja richtig, das Wasser erzählt von den herrlichen Schweizer und österreichischen Bergen und vom schon passierten Bodensee, wo es mächtig lange warten musste, bis es sich wieder austoben konnte. Und wie eilig es das Wasser nun hat sich seinen Weg zu bahnen, dass es möglichst bald den Rhein hinauf und zur Nordsee hinaus ins freie Meer kommt, wo es sich dann noch mehr ausbreiten und wüten kann.

Im Herbst hüllen Nebelschwaden den Rheinfall oft so gespenstisch ein, dass man unwillkürlich an das Märchen vom Geisterboot denken muss. Na ja, vielleicht ist das ja wirklich passiert. Wie bei Nessi in Schottland? Bei Vollmond sagt man, würde man immer noch den Fischer sehen, der beim Absturz verzweifelt mit den Armen ringt und dann spurlos in der Gischt des Rheinfalls verschwindet. Die Trümmer seines Bootes wurden scheinbar gefunden, er selber nie. Vielleicht wurde er in die Nordsee getrieben wer weiß. Wenn es in den Schweizer und Österreichischen Bergen mal kein Schnee mehr gibt und somit kein Wasser mehr den Rheinfall runterfließt, kann man ja mal nachschauen, ob man noch was findet.

Das absolut schönste ist der Rheinfall im Winter. Ein märchenhaftes Bild. Da sieht es aus, als ob der Rheinfall schlafen würde, er ist oben zugefroren und Schnee und Raureif und das Glitzern der Sonne machen ein absolutes Wintermärchen daraus. Eisschollen über Eisschollen sind wieder und immer wieder festgefroren. Ein gigantischer eingefrorener Wasserfall, der unter den Eis weiter fällt und brodelt um dann im Frühjahr wie ein Vulkan wieder aufzubrechen und erneut mit seiner ganzen Urgewalt die Felsen hinabzustürzen, und wieder unzählige Menschen in seinen Bann zieht. Das grandiose Schauspiel beginnt wieder von neuem.

Dieser Artikel entstand im Rahmen der Schweizwochen und wurde deshalb in abgewandelter Form auch beim Meinungsportal www.ciao.de veröffentlicht

joomla 1.6 themesparty poker bonus
Blue Joomla templates by Party Poker bonus