«Borgen – Gefährliche Seilschaften»

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Kategorie: Vorschau
Veröffentlicht am Mittwoch, 15. August 2012 Geschrieben von Oliver Schäfer

Die frisch gewählte Premierministerin: Sidse Babett Knudsen als Birgitte Nyborg (M.) (©SRF/DR)Eine fiktionale Fernsehserie über den politiischen Alltag? Nicht gerade ein Thema das ein breites Publikum anspricht, könnte man meinen. Die Berichterstattung in den Nachrichten aus der realen Politik reicht vielen Menschen schon oder ist nicht mal von Interesse. Es verwundert daher wenig, dass die Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland die Serie Programm des Nischensenders ARTE versteckten. Bei einem Sendermarktanteil von 0,75% (Stand: 2011, Quelle: Wikipedia) war der dänischen Serie damit schon von vornherein ein geringes Zuschauerinteresse vorprogrammiert.

Es bleibt abzuwarten, ob die Serie in der Schweiz größeres Interesse wecken wird. Zu wünschen wäre es der Serie, aber das ist aufgrund des Sendeplatzes zu bezweifeln. SF 1 hat die Serie auf den Sendeplatz montags um 23.45 Uhr gelegt. Die erste Folge läuft jedoch (am 20. August 2012) eine Stunde früher, vermutlich um den Zuschauern die Serie schmackhaft zu machen und sie dazu zu bewegen so lange wach zu bleiben.

Aber genug der Vorrede und zur Handlung der Serie. Im Mittelpunkt steht die Politikerin Birgitte Nyborg der fiktiven "Moderaten Partei". Die erste Folge zeigt die letzten Tage des Wahlkampfes nach dem - soviel sei schon verraten - Nyborg zur ersten weiblichen Ministerpräsidentin wird. Der Titel deutet schon an, dass die Serie die Machenschaften in der Politik in den Vordergrund stellen, die im Hintergrund ablaufen, dem Fernsehzuschauer in der realen Politik also verbrogen bleiben. Die Serie zeigt außerdem die schwierige Situation Nyborgs auf, die als Politikerin zwischen Karriere und Familie ihre Position finden muss.

Wie nahe die Serie an der Realität ist kann man als Außenstehender schlecht beurteilen, jedoch vermittelt sie einen glaubhaften Einblick in das Unsichtbare des politischen Alltags. Die uns vorliegenden ersten Folgen sind erstaunlich spannend, ergreifend und kurzweilig. Es ist schade, dass das Schweizer Fernsehen die Serie ins Nachtprogramm verbannt hat. Sie hätte ein Publikumsinteresse durchaus verdient.

Ersteindruck: sehr gut

Ausstrahlung: ab Montag, 20. August 2012, 22.55 Uhr, SF 1, ab 27. August jeweils um 23.45 Uhr

«Rousseaus Kinder – Ein Reality-Check in Alaskas Wildnis»

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Kategorie: Vorschau
Veröffentlicht am Sonntag, 03. Juni 2012 Geschrieben von Oliver Schäfer

ein Film von: Monika Schärer
Produktionsland, -jahr: Schweiz, 2012
Genre: Dokumentation
Ausstrahlung: Mittwoch, 6. Juni 2012, 22.55 Uhr, SF 1, sowie am Freitag, 10. Juni 2012, 11.55 Uhr auf SF 1 in "Sternstunde Kunst"

Holzhaus am Rande der Kachemak Bay: Hier wohnte die zehnköpfige Familie Kilcher. (©SRF/ Richard Grell)Ruth und Yule Kilchner aus der Schweiz hatten einen gemeinsamen Traum vom Leben fernab von Einflüssen der Zivilisation. Verwirklichen konnten sie diese Vision in der Einöde Alaskas. Damit hatten Ruth und Yule Kilchner praktisch die gleichen Ziele und Gedanken wie Jean-Jacques Rousseau, jedoch rund 200 Jahre später zu Beginn der 1940er Jahre.

Ruth und Yule Kilchner zogen in einer von Pelzjägern verlassenen Hütte acht Kinder groß. Während andere Kinder in ihrem Alter spielen konnten, mussten die Kilchner-Kinder schon in jungen Jahren anpacken und auf dem Hof mitarbeiten, um über die Runden zu kommen. Rousseau war der Ansicht, dass man nur im Leben in der Natur, fernab der Zivilistation glücklich werden könne. Monika Schärer lässt in ihrem Film die Kinder zu Wort kommen um den Reality-Check zu machen: Hatte Rousseau Recht?

Der Film besteht im Wesentlichen aus drei Elementen: selbstgemachte Filmaufnahmen des Vaters, der das Leben der Familie in den ersten Jahren zeigt. Das größte Gewicht haben aber die Berichte und Erzählungen der Kinder, die heute mittlerweile Senioren geworden sind. Der Zuschauer bekommt so ein lebhaftes Bild vor Augen, was für eine Kindheit die Kilchner-Kinder verbracht haben und erfährt, wie unterschiedlich das Leben in der Natur die Kinder geprägt hat. Passend zu den jeweiligen Erinnerungen und Berichten der Kinder werden als drittes Element passende Zitate aus Werken Rousseaus eingeflochten, die die Parallelen zwischen Rousseau und Yule Kilchner aufzeigen.

Atz, Mairiis, Sunrise, Otto, Fay und Catkin Kilcher vor dem Holzhaus ihrer Eltern. (©SRF/ Richard Grell)Monika Schärer schafft es mit ihrem knapp einstündigen Film sich in die Kindheit der Kilchner-Kinder hineinzufühlen und vermittelt, ohne die Lebensform zu bewerten, einen lebendigen und spannenden Einblick in das Leben in der Natur Alaskas, frei nach den Idealen Rousseaus.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

CROM - Leben auf der Kippe (Schweizer Serie)

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Kategorie: Vorschau
Veröffentlicht am Mittwoch, 23. Mai 2012 Geschrieben von Oliver Schäfer

Bei der Arbeit: Roland Vouilloz als Oscar Moreau (©SRF/ CAB Productions SA /RTS)CROM - Das Leben auf der Kippe - ein etwas rätselhaft anmutender Name für eine Serie. Etwas klarer wird die Vorstellung in der vollen Schreibweise: Center für Recycling und Ordnung von Müll - quasi ein Betrieb bestehend aus Wertstoffhof und Müllabfuhr. Im Mittelpunkt der Handlung steht Müllmann Oscar. Der Familienvater fährt zusammen mit seinem ausländischen Kollegen Novak eine der Touren. Diese ist mit zwei Mann aber unterbesetzt. Für eine vermeintliche Verbesserung soll ausgerechnet eine junge Frau sorgen: Tina. Als wäre das nicht genug handelt es sich nicht um eine motivierte Interessentin, sondern um eine verurteilte Straftäterin, die im CROM ihre Sozialstunden ableisten muss.

Aber nicht nur auf der Arbeit gibt es Stress für Oscar. Unter der hohen Arbeitsbelastung leiden auch Frau und Kind, erst Recht seit seine Frau Evelyne wieder begonnen hat zu arbeiten. Die beiden sehen sich immer weniger und die Beziehung leidet. Auch Tina lernt der Zuschauer etwas kennen. Zusammen mit ihrem Freund plant Tina vor allem den schnellen Rubel bzw. Franken. Nicht überraschend, dass das nicht immer auf legalem Weg funktioniert... Als Tina von ihrem Freund vor die Tür gesetzt wird bietet Oscar ihr sein Sofa für eine Nacht an - nicht gerade zur Freude seiner Ehefrau...

Wir haben die ersten beiden Folge der Serie vorab gesehen und haben Lust auf mehr bekommen. Oscar ist eine Figur, mit der man sich leicht identifizieren kann. Seine Probleme teilt er mit vielen Menschen, genauso wie seine Frau. So werden sicherlich viele Zuschauer sich, bzw. Teile von sich, in den Figuren wiederfinden. Gerade das macht den Reiz und den Charme der Serie aus. Es sind Geschichten aus dem Alltag, wie sie jedem von uns passieren könnten und für die Spannung sorgt dann das "Bad Girl", das den Laden ein wenig aufmischt.

Die Serie wurde in der Westschweiz von RTS kooproduziert und von SRF auf deutsch synchronisiert.

Ersteindruck: gut

Ausstrahlung: ab Dienstag, 29. Mai 2012, 11.45 Uhr, SF zwei
Sprache: Deutsch, Französisch (Zweikanalton)

Sternstunde Kunst: Benda Bilili!

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Kategorie: Vorschau
Veröffentlicht am Montag, 21. Mai 2012 Geschrieben von Oliver Schäfer

ein Film von: Renaud Barret, Florent de la Tullaye
Produktionsland, -jahr: Frankreich, 2010
Sprache: Französisch mit deutschen Untertiteln
Ausstrahlung: Pfingsmontag, 28. Mai 2012, 10.30 Uhr, SF 1

Die kongolesische Behindertenband 'Staff Benda Bilili' (©SRF)Staff Benda Bilili sind nicht gerade eine Band, wie man sie von VIVA oder aus der Bravo kennt. Die Musiker sind keine millionenschweren Rockstars, sondern körperbehinderte Obdachlose im Kongo, deren Proberaum kein Hobbykeller, sondern der Zoo von Kinshasaim Kongo. Das ist das Szenario, das der Zuschauer zu Beginn des französischen Dokumentarfilms Benda Bilili! zu sehen bekommt.
Die Filmemacher Renaud Barret und Florent de la Tullaye lernt die Musiker bei einem anderen Projekt kennen und sind von Beginn an von den Musikern mit Handicap fasziniert. Sie begleiten die Band in den kommenden Jahren. Sie zeigen wie schwer das Leben auf der Straße ist, wo jener als reicht gilt, der eine Matratze sein Eigen nennt. Sie schlafen auf Kartons und singen davon. Ihre Texte entstammen aus ihrem Leben, sie sind ehrlich, dadurch aber auch nicht immer fröhlich. Trotzdem ist man fasziniert wie viel Optimismus die Band aussstrahlt. Als ihr Behindertenzentrum abbrennt sieht es dabei erstmal nicht nach einem positiven Ende aus. Die Band löst sich auf und die Mitglieder gehen ihre eigenen Wege. Ihr Treffpunkt fehlt genauso wie ihr Zufluchtsort. Und doch geht es weiter. Nicht zuletzt durch den Einsatz der Filmemacher kommt die Band doch noch zu ihrer ersten CD und wird nach Europa eingeladen und tritt umjubelt vor großen Menschenmengen auf.

Der Dokumentarfilm schafft es eindrücklich dem Zuschauer einen Eindruck vom Leben der Bandmitglieder und der Entwicklung der Band zu vermitteln. Von den Schwierigkeiten vom Leben auf der Straße im Kongo, erst Recht als Mensch mit Behinderung, ohne dabei aber mitleiderregend zu wirken. Vielmehr wird der Zuschauer vom (Zweck-)Optimismus der Band angesteckt und von den Rhrythem ihrer Musik mitgerissen. Dabei sind ihre Mittel überschaubar: in selbstgebauten Rollstühlen und mit teils selbstgebauten Instrumenten auf der Straße. Staff Benda Bilili haben es geschafft durch ihre Musik aus der Obdachlosigkeit zu entkommen. Bedrückend ist lediglich die Erkenntnis, dass ihr Erfolg dem Engagement der Filmemacher Barret und de la Tullaye geschuldet ist und andere Menschen im Kongo in änhlichen Situationen eine solche Chance nicht erhalten.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Sommervögel (Schweizer Film)

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Kategorie: Vorschau
Veröffentlicht am Freitag, 18. Mai 2012 Geschrieben von Oliver Schäfer

Regie: Paul Riniker
Darsteller: Sabine Timoteo, Roeland Wiesnekker, Anna Thalbach, Dorothée Müggler, Herbert Leiser, Patricia Litten, u.a.
Ausstrahlung: Sonntag, 20. Mai 2012, 20.05 Uhr, SF 1

Res wird als Abwart auf dem Campingplatz eingestellt: Anna Thalbach als Bea, Roeland Wiesnekker als Res (©SRF/ hugofilm productions GmbH) Der Biker Res kommt frisch aus dem Gefängnis ohne Geld und ohne Job. Er heuert als Mädchen für alles auf einem Campingplatz am Bielersee an und bekommt damit genau den Job, auf den Greta gehofft hatte. Greta ist eine junge Frau mit geistiger Behinderung, die mit ihren 33 Jahren noch immer überbehütet bei ihren Eltern lebt. Da es mit der Stelle auf dem Campingplatz nichts wurde beginnt sie in der Zahnarztpraxis zu jobben, in der ihre große Schwester arbeitet, doch dort hält sie es nicht lange aus und geht - ohne das Wissen ihrer Eltern - wieder auf den Campingplatz. Dort darf sie Res assistieren. Das anfangs angespannte Verhältnis - Greta ist sauer, dass Res ihr den Job weggeschnappt hat - entwickelt sich, je näher sich beide kennenlernen. Es kommt wie es kommen muss und aus der anfänglichen Kühle entwickelt sich bald eine Liebesgeschichte, allerdings mit einigen Schwierigkeiten. Sowohl Greta als auch Res werden durch ihr Umfeld stigmatisiert und in eine Schublade gesteckt. Die Eltern von Greta warnen diese vor Männern, die keine Frau bekommen und deshalb mit Behinderten üben. Und Res, verurteilt wegen Totschlags, hat seinen Ruf aufgrund seiner Vergangenheit auch weg. Doch die beiden sehen den jeweils anderen vorurteilsfrei und lassen zu, die Persönlichkeit des anderen zu sehen.

Sommervögel ist eine leichte, kurzweilige Komödie, die jedoch sehr wichtige Themen und Problematiken von Menschen mit Behinderung aufgreift, was gerade auch vor dem Hintergrund des Inklusionsgedankens hochaktuell ist. Der Film mahnt - ohne moralisch zu sein - Menschen mit Behinderung so zu behandeln, wie sie sind: erwachsen. Überbehütet durch die Eltern hat auch Streichen den Wohnwagen: Roeland Wiesnekker als Res, Sabine Timoteo als Greta (©SRF/ hugofilm productions GmbH) Greta nicht die Chance ihr Erwachsensein auszuleben. In der Beziehung zwischen Res und Greta und dem, was das Umfeld daraus macht, zeigt der Film auf, wie sehr Vorurteile das menschliche Miteinander und das Verhalten beherrschen können. Und auch vor Tabuthemen wie Sex zwischen Menschen mit und ohne Behinderung macht der Film nicht Halt.

Sommervögel besticht durch eine kurzweilige Handlung, die in weiten Teilen zwar erahnen lässt, wie es weitergeht, aber trotzdem für Spannung und Überraschung sorgt. Ohne zu sehr den Zeigefinger zu heben und ohne an Witz und Originalität einzubüßen verbindet Sommervögel wichtige gesellschaftliche Fragestellungen mit einer humorvollen Handlung.

Bewertung: 5 von 5 Sternen



 

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